„Man muss damit rechnen, dass es dann doch eine Infektion in unserer Schülerschaft oder Lehrerschaft gibt.“

In einem Gespräch zum Schuljahresanfang mit unserem Schulleiter musste er sich nicht nur Fragen rund um das Coronavirus stellen, sondern auch Fragen zum digitalen Unterricht beantworten.

Wir setzen uns auf die Stühle, die mit Abstand zueinander gestellt sind und nehmen die Masken ab. Sofort wird die Atmosphäre im Raum entspannter.

 

Rosenranke: Freuen Sie sich über den Schulstart?
Herr Hamm-Reinöhl: Ja, vor allem über den Start mit allen. Auch wenn doch ein bissschen so ein mulmiges Gefühl bleibt, weil es doch ein wenig voll ist im Schulhaus.

 

Rosenranke: Wie kann das Coronavirus denn Probleme bereiten?
Herr Hamm-Reinöhl: Man muss damit rechnen, dass es dann doch eine Infektion in unserer Schülerschaft oder Lehrerschaft gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist gegeben. Und wenn das dazu kommt, dann ist das Ziel, die Infektionsketten so schnell wie möglich zu stoppen. Das heißt, das Gesundheitsamt steigt ein und sagt uns, wer alles zu Hause zu bleiben hat. Und wir werden dann ganz sicher für ein paar Tage einzelne Gruppen, die Kontakt mit einem Infizierten hatten, nach Hause schicken müssen und dann eben in den Fernunterricht umschalten. Wir haben im letzten Schuljahr die Erfahrung gemacht, dass es klappen kann und deswegen kann man dem eigentlich ganz gelassen entgegensehen. Es geht darum, die Zahl der Kontakte zwischen den Schülern zu verringern und deswegen haben wir zum Beispiel keinen klassenübergreifenden Sportunterricht. Und deswegen sind die jahrgangsübergreifenden Projekte, außer in zwei Fällen, verboten.

 

Rosenranke: Haben Sie denn Verständnis für Leute, die in der Schule keinen Abstand halten, weil sie nicht an den Virus glauben?
Herr Hamm-Reinöhl: Dass man die Gefahr, die von dieser Pandemie ausgeht, leugnet, dafür habe ich wenig Verständnis, also da ist mein Vertrauen in die Politik auch groß genug. Ich glaube, da spiegelt sich ein großes Misstrauen in die Politik wider und da habe ich wirklich kein Verständnis dafür.

 

Rosenranke: Sollten nicht alle Schüler immer im Unterricht Maske tragen?
Herr Hamm-Reinöhl: Ich denke auch, dass es im Unterricht schon sehr Probleme bereitet. Die Gestik und Mimik spielt vor allem im Sprachunterricht eine große Rolle. Und wenn ich das nicht sehe, dann schränkt das die Kommunikation schon sehr ein. Deswegen finde ich es schon sehr wichtig, wenn man sagt, dass das Recht auf Bildung schon ein sehr hohes Gut ist. Und wenn man die Infektionsketten gut einschränken kann, dann sehe ich das als nicht nötig an. Es kann natürlich sein, dass wir phasenweise im Unterricht Maske tragen müssen und dass wir uns sehr flexibel verhalten müssen.

 

Rosenranke: Schnellfragerunde. Bitte antworten Sie kurz. Glauben Sie, dass es noch mal zu einem digitalen Unterricht kommen wird?
Herr Hamm-Reinöhl: Nein.

 

Rosenranke: Glauben sie, dass die SchülerInnen 2020 die gleiche Möglichkeit hatten/haben um zu lernen?
Herr Hamm-Reinöhl: Schwierig. Ich würde Mal sagen Nein, weil das Coronavirus einen starken Einfluss hatte. Aber ich glaube nicht, dass die Nachteile an unserer Schule gravierend sind.

 

Rosenranke: Sollte der Staat mehr für die Schule digital machen?
Herr Hamm-Reinöhl: Da wäre ich jetzt blöd, wenn ich Nein sage. Ja, das Geld ist da.

 

Rosenranke: Glauben Sie, dass kein Schüler mit Langzeitfolgen, wie extremen Bildungslücken, aus der Krise kommen wird?
Herr Hamm-Reinöhl: Es gibt ganz sicher SchülerInnen, für die es Folgen hat, aber ich vermute und hoffe, dass das an unserer Schule nicht so gravierend ist.

 

Rosenranke: Haben Sie es je bereut, Schulleiter geworden zu sein?
Herr Hamm-Reinöhl: Nein, bislang nicht. Ihr tragt euren Teil dazu bei, dass es auch weiterhin nicht so ist.

 

Wir stehen auf und ziehen unsere Masken an. Das Gesicht Herr Hamms ist nun nicht mehr zu erkennen. Zum Abschied lächelt er mir zu, glaube ich.

 

Beitrag: Viktor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.