Jeder Tag wie heute

Wie ihr vielleicht wisst, fand am 21.03.2022 der Projekttag gegen Rassismus bei uns am GSG statt. Für die Jahrgangsstufen 1 und 2 war der 1980 in Israel geborene und heute in Berlin lebende Schriftsteller Ron Segal zu Gast, der uns aus seinem Buch „Jeder Tag wie heute“ vorlas und aus seinem Leben berichtete.

Bei seinem Buch handelt es sich um einen Post-Holocaust Roman. Das heißt, es geht nicht um die genauen Erlebnisse von Zeitzeugen des Holocaust sondern um die Verarbeitung durch eine Generation, die wie der Schriftsteller, dies nicht selbst erlebt hat.

Die Hauptfigur des Romans ist der 90-jährige israelische Schriftsteller Adam Schumacher, ein Holocaust Überlebender, der, jetzt am Ende seines Lebens zurück nach Deutschland kommt um einen Wunsch seiner vor 23 Jahren verstorben Ehefrau zu erfüllen und gleichzeitig für seinen Verleger neue Geschichten zu schreiben. Der Leser wird in das Leben von Adam Schumacher hineingezogen, der teilweise Episoden aus seinem Leben oder dem seiner Frau berichtet. Da er jedoch an Demenz leidet, verfließen in seinen Erinnerungen die Grenzen zwischen Phantasie und erlebter Wirklichkeit.

Ein Abschnitt des Buchs ist auch der Sterbehilfe und dem Recht auf einen selbstbestimmten Tod gewidmet.

Wenn ihr wissen wollt, ob Adam am Schluss das seiner Frau gegebene Versprechen erfüllen kann und was es mit der C-Saite ihrer Harfe auf sich hat, werdet ihr das Buch wohl lesen müssen. Aber keine Angst, es hat nur 139 Seiten und ist durchaus interessant.

In einem sind sich Ron Segal und seine Figur Adam Schumacher einig: Sie wollen beide gegen das Vergessen kämpfen und sie wollen als Schriftsteller, und nicht explizit als jüdischer Schriftsteller wahrgenommen werden. Trotzdem spielen Holocaust und Judentum natürlich eine große Rolle.  

Ein Hauptanliegen von Ron Segal war es, uns klar zu machen, dass fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wir alle keine persönliche Schuld daran tragen, aber natürlich die Verantwortung dafür haben, dass so etwas nicht wieder geschieht.

Im Anschluss hatten wir Gelegenheit Fragen an ihn zu stellen. Auf die Frage ob es durch so einen Roman nicht zu einer Verdrehung und Verklärung der Geschichte käme antwortete Herr Segal, dass es durch jede Art von Weitergabe immer zu einer Veränderung käme, die Weitergabe aber dennoch wichtig sei.

Das ist meiner Meinung nach grundsätzlich richtig, allerdings denke ich, dass man von unmittelbaren Augenzeugen den Willen zur authentischen Wiedergabe des Erlebten erwarten kann, während das zum Beispiel das Genre des Romans als eine andere Form der Weitergabe von Erlebnissen grundsätzlich fiktive Elemente enthält. Es ist somit legitim, in diesem Format so über das Thema zu schreiben, aber es sollte nicht versucht werden richtige Aufzeichnungen der Geschichte so zu ersetzen.

Was sind eure Gedanken zu diesem doch sehr schweren Thema? Schreibt sie uns in die Kommentare.

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